person

Gute Seele beim SV Westfalia Soest

Heribert Seidlich: Motivator, Anpacker und Zuhörer

„Die Jungs haben das Zeug dazu!“ Heribert Seidlich hat schon viel gesehen im westfälischen Amateurfußball. Wenn er über die Fußballer des Spielvereins Westfalia Soest spricht, kommt ein wirklicher Experte zu Wort.

Und der ist überzeugt von den Fähigkeiten der Talente, die Trainer Ibou Mbaye um sich geschart hat. „Der Aufstieg in die Landesliga ist zu schaffen, die Mannschaft hat das Level von Bockum-Hövel“, so der 69-jährige. Er würde sich unheimlich freuen, wenn Ende Mai 2020 der in der Kreisstadt so lange herbeigesehnte Sprung in die Landesliga gelingen würde. Das wäre für den gebürtigen Langenbochumer ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk. Denn Mitte Juni nächsten Jahres vollendet Seidlich, der seit anderthalb Jahren als Platzkassierer am Ardey aktiv ist, sein 70. Lebensjahr.
 
Dass dieses Unterfangen gelingen kann, hängt für Seidlich auch damit zusammen, dass mit Mbaye und seinem Co-Trainer Yannick Schürhoff zwei Übungsleiter am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen. „Ibou würde ich einen Zehn-Jahres-Vertrag geben, wenn ich was zu sagen hätte“, klingt Euphorie aus seinen Worten. „Wir müssen immer selber das Spiel machen und vorn drauf gehen“, empfiehlt er.
 
„Für jeden ein offenes Ohr"
Mbaye legt viel Wert auf den Rat von Heribert Seidlich: „Er versteht es, jeden einzelnen Spieler und auch mich wie ein Vater seinen Sohn zu motivieren. Er besitzt tolle menschliche Qualitäten.“ Der SVW-Chefcoach ist ganz begeistert davon, wie der 69-Jährige den Teamgeist stärkt: „Es ist phänomenal, wie er mit den Eltern umgeht. Er hat für jeden ein offenes Ohr.“ 
Seidlich fühlt sich den meisten Spielern der Soester Bezirksliga-Mannschaft eng verbunden. Während der erfolgreichen A-Junioren-Zeit in den beiden vergangenen Jahren war er stets Beobachter und Förderer der Mannschaft, hat unter den Zuschauern stets ein paar Euros gesammelt, um sie anschließend in ein leckeres Essen für alle Spieler samt Anhang zu investieren.
 
Diese und ähnliche Tätigkeiten hat er als Kind des Ruhrgebiets von der Pike auf gelernt. Nach seiner Jugendfußballzeit bei BW Langenbochum und der Rückkehr von der Bundeswehr kam er als 21-Jähriger in verantwortliche Position beim Heimatverein. Als Jugendleiter führte er die Hertener Vorstädter nach ganz weit vorn. „In den besten Jahren hatten wir 30 Jugendmannschaften“, war für Seidlich die Breite die Basis für den Erfolg.
Und der stellte sich auch rasch ein, maß sich doch der Fußballnachwuchs aus Langenbochum in den höheren Jugendligen mit der namhaften Konkurrenz aus der Nachbarschaft wie Wattenscheid, Bochum und auch Schalke. 14 Jahre lang engagierte er sich neben seinem Beruf als Einzelhandelskaufmann für seinen Verein. „Man konnte mich nachts um halb zwei anrufen, ich war immer erreichbar“.
 
Auch entwickelte der Verein unter seiner Regie Talente, die den Weg in die U15-Nationalmannschaft schafften: Björn Möller, Frank Riethmann und Christian Thimm. Letztgenannter schaffte vom großen Nachbarn Borussia Dortmund aus über die Umwege Köln und Kaiserslautern den Weg nach Karlsruhe, wo er acht Jahre als Profi beim KSC das runde Leder jagte. 
Seine Tätigkeit als Jugendleiter setzte Seidlich auch fort, als er 1983 eine Lotto-Annahmestelle eröffnete. Hilfe in der Familie ermöglichte ihm die nötigen Freiräume. Dies galt auch in den Jahren nach 1986, als er das Amt abgegeben hatte. Stets zog er im Hintergrund die Fäden, war treibende Kraft einer Jugendfußball-Begegnung mit Houston/Texas. 
Auch bei den Senioren in Langenbochum, heutzutage Konkurrent des SV Hilbeck in der Landesliga, war Heribert Seidlich vor Ort, ob als Stadionsprecher, Platzkassierer oder am Grill. Bis 2006 ihn ein Schicksalsschlag ereilte, der ihm beinahe das Leben gekostet hätte. Denn in seinem Lotto-Laden wurde er von einem Herzinfarkt getroffen. Hätte ihn nicht seine Schwester Minuten später gefunden, hätte der Familienvater es nicht überlebt. 
Es war ein entscheidender Einschnitt in seinem Leben, dem schnell ein weiterer folgte. Denn den Lotto-Laden konnte er nicht weiterführen. Wenig später stellten sich nächste Probleme, wurde doch bei seinem Sohn eine gravierende Sehstörung diagnostiziert. Über Umwege wurde für den Filius ein Platz an der Blindenschule in Soest gefunden. Einige Zeit lang nahm die Familie den weiten Weg für den Sohn in Kauf, ehe 2008 der Entschluss gefasst wurde, im Sinne der Gesundheit des Sohnes sich radikal zu verändern und nach Soest zu ziehen.
 
Vom Fußball aber kam Heribert Seidlich auch in der Börde nicht los, sah sich bei den Vereinen um, war eine Zeit lang beim damaligen SSV aktiv, führte eine Weile den Sportlertreff im Jahnstadion. Gleichwohl erkannte er, dass es um dem Fußball in der Kreisstadt nicht gut bestellt war. Umso mehr setzte er die Hoffnungen auf die Fusion von SSV und DJK Westfalia. 
Den neuen Verein unterstützt Heribert Seidlich seither nach Kräften, ist froh, in Klaus Fischer und anderen neue Freunde in der der neuen Heimat gefunden zu haben, die er nun schon über zehn Jahre sein Zuhause nennt. Entsprechend groß ist sein Engagement, um dazu beizutragen, dass der SVW sich weiter hin zu einem Familienverein entwickelt. Die Einbindung der Eltern im Jugendbereich und darüber hinaus auch bei den jetzt aus vielen jungen Spielern bestehenden Senioren ist ihm ein Herzensanliegen.